Spiele im Unterricht– didaktische Handreichung

Spiele im Unterricht– didaktische Handreichung

20. Juni 2022 0 Von m roh

Motivation

Spiele können auf unterschiedliche Art und Weise im Unterricht eingesetzt werden: Einerseits eignen sich Spiele gut als Unterrichtsmethode, denn in Spielen können Kompetenzen und Fähigkeiten geübt und so gefestigt werden. Andererseits kann man auch Spiele zum Thema machen – wobei es auch im Informatikunterricht nicht immer nur Computerspiele, sondern auch Brettspiele sein können. Aber auch die Spieleentwicklung selbst kann für den Informatikunterricht ein ansprechendes Thema sein.

Spiele als Methode

Wenn wir Spiele als Methode im Unterricht verwenden wollen, kommen einem als Erstes Lernspiele oder Quizzes in den Sinn. Diese können sowohl digital als auch analog sein. Das Angebot ist hier sehr umfassend und das Problem ist eher die Auswahl des passenden Angebots für die aktuelle Unterrichtssituation. Außerdem kann der Umfang von Lernspielen sehr unterschiedlich sein. Während es einige sehr komplexe Lernspiele gibt, deren direkter Einsatz im Unterricht oft schwierig ist, sind kleinere Spielelemente, wie z.B. Quiz, Memory, Buchstabenrätsel usw., flexibel und relativ einfach einzusetzen. In der Materialbörse können z.B. h5p-Elemente zu verschiedenen Themen (Suche nach „interaktiv“) heruntergeladen und in einem Moodle-Kurs verwendet werden.

Lernspiele lassen sich von Lehrenden aber auch gut selbst herstellen. Hier gibt es viele digitale Tools (wie z.B. h5p oder learningapps.org/), in denen man mit relativ wenig Aufwand eigenen Content erstellen kann. Hier bietet sich auch die Möglichkeit, die Lernenden in diesen Prozess einzubinden: Die Schülerinnen und Schüler können eigene Spiele entwickeln und sich so einerseits vertiefend mit einem Thema beschäftigen, andererseits auch die eigenen Spiele zum Üben verwenden.

Spiele als Thema

Wenn man bestehende Spiele zum Thema macht, kann das für einige Schülerinnen und Schüler sehr motivieren sein, da sie aus ihrem Lebensalltag berichten können. Zum Beispiel kann man Spiele als Thema für Präsentationen vorgeben. Schülerinnen und Schüler können dann von ihren eigenen Interessen berichten, Empfehlungen abgeben und so eine sehr ansprechende Präsentation gestalten. Außerdem bieten sich hier immer wieder Anknüpfungspunkte zu informatischen Themen, die in weiterer Folge im Unterricht aufgegriffen werden können (siehe unten).

Spiele, vor allem Computerspiele, sind außerdem ein gesellschaftlich relevantes Thema. Sie haben einen großen Einfluss auf das Freizeitverhalten und Gesundheitsthemen (z.B. beim Thema Suchtverhalten). Entsprechende Inhalte und Kompetenzen sind deswegen auch im Lehrplan der digitalen Grundbildung vorhanden. Auch auf individueller Ebene lassen sich Computerspiele analysieren. Hier geht es um verschiedene Interessen, die eigene Rolle (Online-Identitäten) usw. – ebenfalls Thema in der Digitalen Grundbildung.

Computerspiele als informatische Produkte

Computerspiele sind ein informatisches Produkt, die von vielen Schülerinnen und Schülern genutzt werden, und können daher das Interessen für die zugrundeliegenden Technologien, Themen und Inhalte wecken. Zum Beispiel lässt sich das Thema der Modellierung für die Planung und den Entwurf von Computerspielen verwenden. Das Thema der Programmierung ist für die praktische Umsetzung von Computerspielen notwendig, aber auch Themen wie Grafik, Multimedia und auch die notwendige Hardware können hier behandelt werden.

Je nachdem, ob man das dieses Thema theoretisch oder praktisch bearbeiten möchte, besteht auch die Möglichkeit einfache Computerspiele selbst zu entwickeln. Dieses ist bereits mit der blockbasierten Programmiersprache Scratch möglich – nach oben sind hier aber den Projekten und Umsetzungsmöglichkeiten kaum Grenzen gesetzt. Zum Beispiel kann Unity als professionelle Entwicklungsumgebung genutzt werden.

Das Thema der Modellierung ist ein gutes Anwendungsgebiet. Im Gegensatz zum Storyboard für einen Film (siehe dazu z.B. https://www.rfdz-informatik.at/interaktiv-stop-motion/), sind bei Spielen die Verzweigungen entscheidend: Ein Film hat einen sequenziellen Ablauf, der zwar auch geplant werden muss, aber keine Verzweigungen vorsieht. Spiele werden aber erst durch Verzweigungen (Entscheidungen) interessant, da es der Spielerin bzw. dem Spieler Interaktionsmöglichkeiten gibt. Dadurch kann das Spiel auf unterschiedliche Art und Weise weitergehen. Je mehr Verzweigungen es gibt, desto komplexer ist das Spiel – nicht nur beim Spielen, sondern natürlich auch beim Planen und Entwickeln. Hier zeigt sich die Notwendigkeit von Modellierung als formales und verständliches Planungstool.

Auch KI kann bei Spielen zum Thema gemacht werden: Bei Spielen gegen einen Computer ist eine künstliche Intelligenz notwendig. Hier können Strategien überlegt und eventuell selbst implementiert werden.

Zusammenfassung:

  1. Spiele als Methode – Lernspiele, Quiz usw.
    • zu kaufen
    • selbst erstellen
  2. Spiele als Thema
    • allgemeines Rahmenthema, z.B. für Präsentationen – Motivation, Interessen, aktuelle Themen
    • Spiele als gesellschaftliches Thema – Freizeitverhalten, Gesundheitsthemen, Suchtverhalten, gesellschaftliche Normen, … (–> digitale Grundbildung)
    • Spiele als individuelles Thema – Interessen, Rolle, Individuum, … (–>digitale Grundbildung)
    • als Beispiel für informatische Inhalte – Modellierung, Programmierung, Grafik, Multimedia usw. (theoretisch)
  3. Spiele selbst entwickeln

Alle unsere Materialien zu dem Thema „Spiele“ sind hier zu finden: https://www.rfdz-informatik.at/kategorie/keywords/spiele/